Jänner


Brauchtum im Jänner

5.Jänner - die letzte Rauhnacht

Die Rauhnächte
Die Zeit der „Zwölften“, die zwölf Nächte zwischen Weihnacht und Dreikönig gilt traditionell als Zeit der Geister und Seelen. Vielfältiges Brauchtum, Orakel, Magie und Aberglaube rankt sich um diese Tage und Nächte. Es sind sehr geheimnisvolle Tage, von denen niemand genau sagen kann, wie und wann sie entstanden sind und was sie bedeuten. Ursprünglich galt die Bezeichnung nur den einstigen 4 Haupt-Rauhnächten: Thomasnacht (Wintersonnenwende), Weihnacht, Neujahr, Dreikönig.

In der Steiermark zählt man den Brauch des Räucherns zu den lebendigsten Volksüberlieferungen. In den Rauhnächten werden traditionell Haus und Hof ausgeräuchert. Dabei ging der Hausvater in Begleitung der Familie und des Hausgesindes durch Haus und Hof mit Rauchwerk und Weihwasser. Zum Räuchern wurde eine gusseiserne Pfanne verwendet. Geräuchert wurde häufig mit Beifuß, Wacholder („Kranawitt“) und Tannenharz. Zum Rauchwerk in der Oststeiermark gehörten auch Weihrauch, Kiefernpech und Zunderschwämme von Eichen und Birken.

Feuer

 

Die Pudlmutter
Eine besondere Bedeutung hatte der 5.Jänner, die letzte Rauhnacht. In unseren Breiten gab es in dieser Nacht das Brauchtum der Pudlmutter. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als in meiner Kindheit die Pudlmutter zu uns kam – das ging so: Eine Person (Mann oder Frau), als alte Frau verkleidet, mit Gehstock, Schürze und Kopftuch riss die Tür zur Küche auf, schüttete wortlos aus ihrer Schürze Süßigkeiten auf den Boden, und rannte rasch wieder davon. Die Pudlmutter darf sich nicht zu erkennen geben, das soll Unglück bringen. Unter den Gaben unserer Pudlmutter befanden sich hauptsächlich Äpfel mit Geldmünzen, Nüsse und Stollwerk. Auch Rüben soll die Pudlmutter mancherorts gebracht haben. Traditionellerweise waren es natürlich die Nachbarn oder Verwandte, die sich als „Pudlmutter“ verkleideten.
Eine ähnliche Gestalt scheint in weiten Teilen der Steiermark bekannt zu sein. Im Ausseerland zum Beispiel, so wurde mir berichtet, gibt es eine ähnliche Figur, die an diesem Tag von Haus zu Haus zieht und um Einlass gewährt, genannt „Bärigl“.
Der Ursprung der Pudlmutter geht wahrscheinlich auf die Gestalt der Frau Perchta zurück, die auch unter Bertha, Percht und Perscht bekannt ist und mit der Märchengestalt der Frau Holle verwandt ist. Die Pudlmutter/Perchta/Frau Holle ist eine gute als auch eine böse Gestalt. Es wurde mir berichtet, dass die Pudlmutter in unseren Breiten nur den braven Kindern gute Gaben brachte, den ungezogenen Kindern brachte sie verdorbenes Obst.
Perchta, die in der Zeit der Rauhnächte durch die Lande ziehen soll, bestraft durch das Schicken von Albträumen bis hin zum Aufschlitzen des Bauches, der mit Steinen gefüllt wird, um die Person im Brunnen zu versenken. Perchta belohnt Fleiß und Hilfsbereitschaft mit vollen Spulen, goldenen Fäden und Münzen.
Frau Holle wiederum in Grimms Märchen belohnt die Goldmarie für ihren Fleiß, während die Pechmarie bestraft und geächtet wird.

Bericht "Die Pudlmutter" von Frau Groß Josefa, 79 Jahre

 

Kinderlachen

 

Über Ergänzungen und Erfahrungsberichte aus Ihrer Region zu diesen Themen würde ich mich sehr freuen.
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